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ILZ Nürnberg

Warum integrative Lerntherapie - ILT?

Die "Integrative Lerntherapie - Ressourcenmanagement für Lern- und Entwicklungsförderung im Kindes- und Jugendalter" eignet sich für Kinder und Jugendliche mit länger anhaltenden Lern- und Entwicklungsstörungen:

  • Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS) und Legasthenie,

  • Rechenschwäche (RS) und Dyskalkulie,

  • Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität (AD(H)S) und

  • allgemeine Lernstörungen und -schwächen


Ziel der pädagogisch-psychologischen Therapie im ILZ ist der Aufbau eines gestärkten Selbstkonzepts in Verbindung mit Kompetenzaufbau als Grundlage für einen guten Schulabschluss. Darauf kann eine den Begabungen entsprechende betriebliche Ausbildung oder schulische Weiterbildung aufbauen.

Das Integrative Lerntherapeutische Zentrum Nürnberg

Die integrative Lerntherapie ist eine Therapieform zur Behandlung von Lernstörungen wie Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) und Dyskalkulie (Rechenstörung). Circa sechs bis acht Prozent der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sind von einer Lernstörung betroffen und haben damit erhebliche Schwierigkeiten Lesen, Schreiben und/oder Rechnen zu erlernen. Lernstörungen werden von den internationalen Klassifikationssystemen (ICD, DSM) als umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten definiert. Sie treten häufig in Kombination auf sowie in Verbindung mit weiteren Störungen auf wie z.B. Aufmerksamkeitsstörungen (AD(H)S).


Lernstörungen bestehen von früher Kindheit an, erkennbar werden sie zumeist erst mit Schulbeginn. Es sind andauernde Störungen, teilweise mit Krankheitswert. Sie erfordern eine fachkundige und individualisierte Diagnostik und Therapie, welche in einer integrativen Lerntherapie geleistet werden. Die integrative Lerntherapie fasst psychotherapeutische und fachdidaktische Komponenten zu lerntherapeutischen Interventionen zusammen. In ihr sind wissenschaftliche Erkenntnisse aus Pädagogik, Psychologie und Medizin, aus der Linguistik, der Mathematik und den Fachdidaktiken Deutsch und Mathematik integriert. Die integrative Lerntherapie ermöglicht den Aufbau der Schlüsselkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen sowie die Wiederherstellung der seelischen Gesundheit und die Sicherstellung einer angemessenen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.


1. Ursachen und Folgen von Lernstörungen

Die Ursachen für schulische Entwicklungsstörungen sind vielfältig. Genetische Faktoren interagieren mit erfahrungsabhängigen und lerngeschichtlichen Einflüssen, wie dem Lernangebot und -klima der Schule sowie den kognitiven Anregungen, der emotionalen Unterstützung und den Leistungserwartungen der Eltern.
Das Hauptmerkmal einer Lernstörung ist eine bedeutsame Beeinträchtigung des Schriftsprach- und/oder Mathematikerwerbs. Zumeist weichen die Leistungen im Lesen, Schreiben und/oder Rechnen erheblich vom sonstigen Leistungsvermögen des Kindes ab. Die Kinder haben häufig in vielen Fächern Probleme. Ihre weitere Lernentwicklung und Bildungsbiografie ist beeinträchtigt, da Lesen, Schreiben und Rechnen Basiskompetenzen sind. Lernstörungen sind alltagsrelevant und können zu vielfältigen Folgestörungen wie Versagensängsten, Schulangst/-unlust/-verweigerung, Depressionen, Verhaltensstörungen wie Aggressivität oder sozialem Rückzug sowie somatischen Beschwerden führen. Schulabschluss und Berufsbildungsniveau bleiben meist hinter den Möglichkeiten zurück.
Unerkannte Lese-Rechtschreib- und/oder Rechenstörungen dauern an, der Schweregrad der Störung nimmt in der Regel zu.

2. Erscheinungsbild der Lese-/Rechtschreibstörung

Der Schriftspracherwerb bei Kindern mit LRS weicht vom alterstypischen Verlauf in definierten Erwerbsstufen ab. Die Probleme werden verstärkt, weil das Lernangebot der Schule nicht zum individuellen Lernstand passt. In vielen Fällen zeigen sich von Anfang an Schwierigkeiten, z.B. bei der Laut-Buchstaben- Zuordnung, der Wortdurchgliederung, Buchstaben werden verwechselt oder ausgelassen; die Kinder können die Wörter teilweise selbst nicht lesen. Jedoch können Kinder auch erst auffällig werden, wenn Wörter, Sätze und Texte komplexer sind. Typisch beim Schreiben sind die hohe Fehlerzahl und Fehlschreibungen, die trotz Übens hartnäckig bestehen bleiben oder variieren und dem Alter nicht entsprechen. Spezifische „LRS-Fehler“ gibt es jedoch nicht. Das Lesen ist mühsam, oft nur lautierend möglich. Je komplexer der Wortaufbau, desto langsamer wird das Lesetempo. Das Leseverständnis ist dadurch oft eingeschränkt. Durch den verzögerten Schriftspracherwerb können Kinder mit LRS Schreib- und Lesestrategien nicht flexibel nutzen. So kann ein Kind, das sich Wörter mühsam lautierend erschließt, Rechtschreibregeln kaum oder unzureichend anwenden.

3. Erscheinungsbild der Rechenstörung
Der Erwerb des Rechnens folgt einer Entwicklung von mathematischen Konzepten. Kinder mit Rechenstörung verfügen bei Schuleintritt über unzureichende Basiskompetenzen bei Zählfertigkeiten, Zahlenkenntnissen, Fähigkeiten zur Seriation oder dem Verständnis von Mächtigkeiten von Mengen und ihrer Teilbarkeit. Die Kinder können ein Zahl- und Operationsverständnis nicht rechtzeitig oder ausreichend aufbauen, welches für die Ausbildung effektiver Rechenstrategien notwendig ist. Sie verharren oft in Zählprozessen. Fakten wie das kleine Einmaleins können sie nur auswendig lernen, aber nicht verstehen. Das Dezimalsystem wird nicht erfasst, weil die Zusammenhänge zwischen den Zahlen nur unvollständig oder gar nicht verstanden werden. Rechenoperationen können nicht umfassend verstanden, Schätz- und Kontrollverfahren nicht genutzt werden. Grundsätzlich machen auch Kinder mit Rechenstörungen keine anderen Fehler. Häufig nutzen sie dauerhaft ungünstige Verfahren wie das Zählen oder Auswendiglernen. Schon einfache arithmetische Aufgaben führen zur Überforderung und können nur schwer oder gar nicht bearbeitet werden; die Rechenprozesse sind fehlerhaft und dauern oft sehr lange. Sowohl der Schriftsprach- wie auch der Mathematikerwerb beginnen bereits weit vor dem Schuleintritt im Kleinkindalter mit dem Erwerb von entsprechenden Vorläuferfähigkeiten. Diese können durchaus im Vorschulbereich festgestellt und auch sehr erfolgreich gefördert werden. Entsprechende Präventionsmaßnahmen sind daher empfehlenswert.

4. Integrative Lerntherapie
Die Lerntherapie kann als Prozess von einer negativen zu einer positiven Lernstruktur betrachtet werden. Kinder mit Lernstörungen haben aufgrund der vielen Misserfolgserlebnisse das Vertrauen in sich verloren, Lesen, Schreiben bzw. Rechnen jemals zu erlernen. Ihr innerer Dialog ist geprägt von Selbstzweifeln, die ihren gesamten Lern- und Entwicklungsprozess prägen. Bei Lernschwierigkeiten entstehen durch Leistungserwartung, Versagen, Misserfolg und Misserfolgserwartung eine Dynamik aus drei sich negativ verstärkenden Kreisläufen bzw. Dialogen, die Dieter Betz und Helga Breuninger schon 1982 als „Teufelskreis Lernstörungen“ beschrieben haben. Mit Hilfe des Wirkungsgefüges kann in der integrativen Lerntherapie der Ist-Stand bestimmt und die lerntherapeutischen Interventionen abgeleitet, begründet und dokumentiert werden. Ziel ist es, die Negativspirale zu unterbrechen und ein positives Wirkungsgefüge zu initiieren. Lern- und Beziehungsdialoge beeinflussen den inneren Dialog des Kindes. In der integrativen Lerntherapie ist der Beziehungsdialog durch Ermutigung, Zutrauen und Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit des Kindes bestimmt. Beim Lerndialog geht es um die kindgerechte Aufbereitung, Vermittlung und Verarbeitung der Lerninhalte. Vom individuellen Können ausgehend werden die Lernangebote so gestaltet, dass das Kind von Anfang an Erfolge erzielt, diese sich selbst zuschreibt und sich somit selbstwirksam erlebt. Die Aufgaben werden dementsprechend entwicklungsangemessen, motivierend, attraktiv und respektvoll gestaltet. Fehler werden als Lösungsansätze verstanden und dazu verwendet, die Denkprozesse des Kindes zu verstehen, zu respektieren und sie gemeinsam mit dem Kind zu richtigen Lösungen hinzulenken.

Das Integrative lerntherapeutische Zentrum Nürnberg ist als Leistungsträger für die Eingliederungshilfe gemäß §35a SGB VIII für Nürnberg, Fürth, Fürth-Land, Nürnberger-Land, Roth, Amberg, Schwabach und Weißenburg, in den Bereichen: Legasthenie/Dyskalkulie/Englisch/Wahrnehmumgsstörung/Lerntherapie eingetragen. Die Eltern von Kindern mit Zugehörigkeit zu §35a SGB VIII erhalten eine sog. „Eingliederungshilfe“, die vom zuständigen Landrats- oder Jugendamt bewilligt wird.

Lernmaterial
Das im ILZ verwendete Unterrichtsmaterial stützt sich auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und bindet auch die Anwendung am Computer mit ein. Die in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen angelegte Förderung ist an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen angepasst und erlaubt bei Leistungszuwachs einen Wechsel in die nächste Stufe. Anhand von geeigneten Computerprogrammen werden die im Unterricht behandelten Schwerpunkte vertieft. Gleichzeitig lernen die Kinder das Zehn-Finger-Schreiben. Das mehrkanalige Lernen erhöht den Lerneffekt. Im Fach Englisch wird Basiswissen sowohl in der Rechtschreibung und Grammatik, als auch im Sprechen und Schreiben vermittelt. Auch am laufenden Stoff wird gearbeitet.



Thomas Hauf          Susanne Hauf
Lerntherapeut M. A. (univ.) i. A.       Lerntherapeut M. A. (univ.) i. A.




Fachleute signalisieren, dass die Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit lang anhaltenden Lern- und Entwicklungsstörungen immer größer wird.

Circa 20-30 Prozent der Schulabgänger werden als ausbildungsunfähig charakterisiert. Ein Ende dieser Negativentwicklung ist nicht absehbar.




Lernstörungen treten häufig in Kombination mit anderen Entwicklungsauffälligkeiten auf. Heine, Engl, Thaler, Fussenegger & Jakobs (2012) geben an, dass etwa bei der Hälfte der Betroffenen eine Lese-Rechtschreibstörung und eine Rechenstörung gleichzeitig auftreten. Zudem wird eine Komorbiditätsrate von 30 bis 70 Prozent zwischen ADHS und Lese-Rechtschreib- bzw. Rechenstörungen angegeben (Heine et al., 2012).
Es ist davon auszugehen, dass massive Probleme beim Lesen, Schreiben und/oder Rechnen psychische Störungen durch Misserfolgserlebnisse, Selbstzweifel, Mobbing und Überforderung zur Folge haben können. So werden Depressionen, Angststörungen und Störungen des Sozialverhaltens (Schulte-Körne, 2010; Heine et al., 2012) genannt sowie Konzentrationsschwächen, motorische Unruhe, Motivationsverlust oder auch eine generelle Schulangst und -unlust (Bachmann, 2008).

Bei Kindern mit Lernstörungen reicht das Unterrichts- und Förderangebot der Schule nicht aus. Sie benötigen eine Lerntherapie als adäquate Förderung, damit sie sich entsprechend ihres Leistungsniveaus entwickeln können. Ohne diese bleiben die Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter bestehen.
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