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Das ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom) ist das in den westlichen Ländern seit einigen Jahren am häufigsten diagnostizierte kinder- und jugendpsychiatrische Krankheitsbild. Epidemiologische Studien belegen eine Prävalenz von 4-6% im Kindes- und Jugendalter, das heißt: ca. 650.000 Schulkinder in Deutschland imponieren durch Problemverhaltensweisen in den drei Kernsymptomen Aufmerksamkeitsdefizit (= unkonzentriert, Ablenkbarkeit, kurze Aufmerksamkeitsdauer, scheint nicht zuzuhören, übersieht Details, vergisst Dinge, bricht Aufträge ab, keine Ausdauer…), Impulsivität (= handelt unüberlegt, platzt rein, kann nicht abwarten, schnell frustriert, unterbricht andere, unorganisiert, unordentlich, stimmungswechselhaft, nicht gründlich, reagiert übermäßig, fühlt sich schnell provoziert,…) Hyperaktivität (= zappelt ständig, motorisch excessiv, rastlos, kann sich nur schwer ruhig verhalten, …).

Konsekutive Störungen (Komorbiditäten)

Vergleichsstudien belegen, dass ADHS nicht mit Mangelbegabung assoziiert ist (statistisch ist die Gaußsche IQ-Verteilungskurve sogar um 5,6 Punkte nach rechts = in den Hochbegabungsbereich verschoben), dennoch verbleiben 90% ADHS-betroffener Kinder in ihrer schulischen Entwicklung unter ihren intellektuellen Möglichkeiten: 80% (versus 27% Nicht-ADHS) wiederholen im Laufe ihrer Schullaufbahn mindesten einmal eine Klasse, ca. 30% (versus 3%) „landen" schon sehr bald auf einer Sonderschule, 40% (versus 10%) verlassen die Schule ohne Schulabschluss, 30% (versus 6%) entwickeln bereits in den ersten Schuljahren massivste Schulprobleme. Wie Interaktionsstudien belegen, erfahren ADHS-Kinder selten Akzeptanz, in der Beliebtheitsskala unter Gleichaltrigen „landen sie ganz unten". Die häusliche Situation ist geprägt von Strukturlosigkeit, stressiger und unwirksamer Interaktion und am Ende von kaum beeinflussbaren oppositionellem Problemverhalten, was regelmäßig zu elterlicher Überforderungssymptomatik führt. Derart jahrelanger von ständiger Ausgrenzung geprägte Sozialerfahrung und trotz immer wiederkehrender Bemühungen ausbleibende schulische Erfolge sowie überwiegend negativer Rückmeldung erwachsener Bezugspersonen (in Schule, Freizeit und Familie) führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Selbstbildes, dann zu mangelndem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, darauf zu Motivationslosigkeit und Misserfolgserwartung, am Ende in eine oppositionelle Verweigerungshaltung oder in depressiven Rückzug, in jedem Fall zu schweren Sozialintegrationsstörungsrisiken.

Intervention

  • mittels besserer Informiertheit von Eltern, Lehrern und Erziehern  über die ADHS-Störungsbildsymptomatik und einer sich daraus einstellenden intensivierteren Edukation und wenn dies nicht ausreicht, zusätzlich

  • auf der Ebene einer spezifischeren, ADHS-orientierteren Psycho-Edukation (Schule-Elternhaus-Setting) und wenn dies nicht ausreicht, zusätzlich

  • auf psychotherapeutischer Ebene i.d.R. ADHS-Verhaltenstherapie und wenn das nicht ausreicht, zusätzlich

  • auf pharmakotherapeutischer Ebene (i.d.R. mittels Methylphenidat et. al. – Handelsnamen u.a. Medikinet ©, Ritalin ©, Equasiym ©, Concerta© etc.)


Medikamentöse Therapie mit Methylphenidat an sich und allein führt in der Folge nicht automatisch zu einer vollständigen Aufhebung der ADHS-bedingten corticalen dopaminabhängigen Dysfunktionen in Selbstregulation, Impulskontrolle, Aufmerksamkeitslenkung und  Emotionsmanagement etc.. Pharmakotherapie (MPH) bei ADHS „legt nicht automatisch den Hebel um", sondern bringt i. d. R. Entlastung im Sinne verbesserter interventionaler Zugänglichkeit und „öffnet damit die Tür" zu verbessertem und nachhaltigem Kompetenzerwerb in o. g. Kompetenzbereichen.

Schulpädagogisch orientierte Approbation der Erkenntnisse über ADHS
ADHS „ist bis zu 70% genetisch disponiert"; heißt, bis zu ca. 70% des ADHS-Ursachenmusters ist genetischen Faktoren, folglich mindestens 30% der ADHS-Ausprägung sozialisationsbedingten Einflussfaktoren wie Schulpädagogik, Elternhausentwicklung, Peer- und Medieneinflüsse etc. zuzuschreiben: Kein Lehrer kann folglich das ADHS-Problemverhalten eines Schülers reduktionistisch allein auf elterliche Erziehungsdefizite verkürzen! Kein Elternteil kann das ADHS-Problemverhalten allein mit Vererbung „entschuldigen". Erst die Gesamtheit aus ererbten Anteilen und Sozialisation in Schule - Elternhaus – Freizeit etc. kann die Ausprägung als ADHS-Problemverhaltens im Einzelfall erklären. Eine Feststellung, die mit der neuropsychologischen Bedingungsbeschreibung korrespondiert:

Wenn allen psychologischen Prozessen neuronale Strukturen und Funktionen zu Grunde liegen, und wenn psychologische Prozesse durch die Art und Weise einer pädagogischen Intervention verändert werden können, dann verursachen veränderte pädagogische Prozesse veränderte neuronale Strukturen und Funktionen. Psychologisch-pädagogische Prozesse durch Schulpädagogik, Schulklima und Unterrichtsführung etc. können daher  (genau wie ADHS-orientierte Psychotherapie) wirksam und dauerhaft neuronale Prozesse und corticale Strukturen verändern. Schule - schulisches Sozialklima -
Schulpädagogik - Unterricht - Unterrichtsführung - didaktisch/methodische/schulsozialpädagogische Wirklichkeit an und in Schule trägt damit immer zu einer ADHS-Problemverhaltensverstärkung oder -reduzierung bei! Welche pädagogischen Interventionen haben sich als wirksam erwiesen, die neuropsychologischen Prozesse der dopaminerg-frontocorticalen Dysfunktionen wirksam und nachhaltig zu reduzieren?


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